Ich bin Rainer, arbeite im Sommer im Fahrradverleih im A-ROSA in List und bin eigentlich schon Rentner. Das sage ich ganz offen, weil es erklärt, warum ich diesen Job so mag: Ich muss nicht mehr, ich will. Und jeden Tag kommen Menschen rein, die Sylt zum ersten Mal sehen, und fragen mich, was sie nicht verpassen dürfen.
Meine Antwort ist immer dieselbe, und sie überrascht fast jeden: kein Ort, sondern eine Strecke.
Wenn ich frei habe, schnappe ich mir eins der Kalkhoff E-Bikes und fahre von List nach Hörnum. 35 Kilometer, quer über die Insel. Kein Rekord, kein Ziel außer dem, was unterwegs passiert. Und da passiert einiges.

Die Landschaft wechselt ständig: Dünen, Watt, kleine Orte, wieder Weite. Man merkt, dass Sylt nicht einfach „Strand“ ist, sondern so vielschichtig wie kaum eine andere Insel. Das sieht man nur vom Fahrrad aus. Im Auto ist man drüber hinweg, bevor man es bemerkt hat.
Am Ende kommt Hörnum. Ich hole mir ein Fischbrötchen, setze mich an den Hafen oder irgendwo an einen der verlassenen Strände und mache nichts. Keine weiteren Pläne, kein Weiterkommen. Einfach sitzen, essen, schauen und dem Möwenkonzert lauschen. Das klingt nach wenig. Für mich ist es mehr als genug.
Mein Tipp: Früh losfahren und nicht durchhetzen. Die Strecke ist das Ziel, nicht Hörnum. Wer das verstanden hat, kommt entspannt an.



